Zwischen Historie und High-Tech - btg-Berufsschüler in Italien

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Die Gruppenmobilität, welche an der Iis Gae Aulenti stattfand, befasste sich mit den Themen Naturstein in der lokalen historischen Architektur und dem natürlichen nachhaltigen Dämmmaterial Reisfaser. 

An dem Projekt beteiligt waren die Schülerinnen und Schüler der Jahrgänge drei, vier und fünf der vollzeitschulischen beruflichen Ausbildung Geometra der Iis Gae Aulenti, welche zu einem Abschluss als BaueliterIn für Straßenbau und der Planung von Einfamilienhäusern führt und Schüler des ersten und zweiten Ausbildungsjahres des dualen Systems in den Bereichen Fliesen-Mosaik-PlattenlegerInnen, MalerInnen- und LackiererInnen und StraßenbauerInnen. 

Den Auftakt der Mobilität bildete Präsentationen beider Schulen, in der sich die Teilnehmenden gegenseitig und gewerkstypische Tätigkeiten vorstellten. 

Danach folgte ein von den SuS der Iis Gae Aulenti vorbereitete Präsentation über La Trappa, ein ehemaliges mittelalterliches Kloster und Bauernhof, der in Praxisphasen durch die SuS der Iis Gae Aulenti restauriert wird. Der Fokus dieses Projektes liegt auf der Instandsetzung beziehungsweise dem Wiederaufbau von Mauern und Bödenbelägen aus lokalen Natursteinen.

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Nach dem Vortrag erarbeiteten alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer in internationalen Kleingruppen die Vor- und Nachteile der Verarbeitung von Natursteinen in traditionellen und modernen Verfahrenstechniken und stellten Vergleiche zu Alternativprodukten wie Beton her, indem sie ihr Wissen um diese Techniken aktivierten und sich gegenseitig dazu austauschten und ihr Ergebnisse schriftlich festhielten. 

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Am zweiten Tag des Projektes wurde das Thema Naturstein vertieft, indem die gesamte Lernenden-Gruppe an einer geführten Besichtigung des Natursteinwerkes Ramella Graniti teilnahm. Dort wurde erklärt wie aus großen, unbearbeiteten Natursteinblöcken (hier Granit und Marmor) mit Hilfe von CNC-Fräsen, welche mit Diamantdraht und Wasserkühlung arbeiten, kleiner Platten gefertigt und für die Weiterverarbeitung vorbereitet werden. 

Es wurden alle Arbeitsschritte und Maschinen bis hin zum fertigen Produkt wie zum Beispiel Marmorbanken für einen Londoner Park erklärt und vorgeführt. 

Ein Großprojekt der Firma bestand in der Herstellung von Bauteilen für die Wallfahrtskirche Oropa, welche am Nachmittag des zweiten Tages besichtigt wurde. 

Der Schwerpunkt des folgenden Tages lag auf der Anwendung und Vertiefung des Fachwissens bezüglich der Analyse von Schäden an Natursteinfliesen, -Straßenaufbauten, -und -Fassadenelementen innerhalb der historischen Altstadt von Turin. Die SuS erhielten die Aufgabe diverse Schäden zu fotografisch und schriftlich zu dokumentieren, zu analysieren und Instandsetzungsmaßnahmen vorzuschlagen. Die Präsentation der Ergebnisse erfolgte am letzten Tag der Mobilität im Rahmen der Erstellung des virtuellen Museums in internationalen Teams an der Iis Gae Aulenti. 

Der vierte Tag der Gruppenmobilität befasste sich mit dem Produkt Reisfaser als natürliches und nachhaltiges Dämmmaterial. Die Firma Ricehouse präsentierte in einem Expertenvortrag die Entwicklung der unterschiedlichen Produkte und legte die Gründe für die Verwendung des Materials als Dämmstoff dar. Dämmmaterialien aus Reisfaser haben ähnliche Eigenschaften wie die herkömmlichen Materialien Mineralwolle und Styrodur. Dabei weisen sie eine natürliche Resistenz gegen Feuchtigkeit und Schimmelbildung auf Grund der in Reispflanzen enthaltenen Kieselsäure auf. Zudem können Materialien aus Reisfaser für den Trockenbau verwendet und sogar für 3D-Hausdruck-Projekte eingesetzt werden. 

In einer anschließenden geführten Besichtigung der Firma Ricehouse und von mit Reisfaser gedämmten Gebäuden erörterten die Teilnehmenden die Vorteile des Einsatzes natürlicher und nachhaltiger Materialien gegenüber herkömmlichen Materialien. 

Am finalen Projekttag befassten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer noch einmal mit unterschiedlichen 

Bautechniken mit Naturstein und Backstein am Beispiel des Ricetto di Candelo, einem mittelalterlichen Fort, dass früher als Kornspeicher und Rückzugsort bei Angriffen genutzt wurde und heute als Museum und Veranstaltungsort fungiert. 

Im Anschluss daran arbeiteten die SuS in internationalen Teams an der Erstellung eines virtuellen Museums mit Hilfe des Programmes artsteps, in welchem sie die Ergebnisse der Gruppenmobilität festhielten. Das Resultat wird auf der Homepage beider Schulen veröffentlicht. 

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