Die Zentrale des KZ-Terrors Gedenkstättenfahrt nach Sachsenhausen 2026

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Vom 6. bis zum 10. Juli 2026 fand zum dritten Mal eine Gedenkstättenfahrt des btgs in Zusammenarbeit mit dem aktuellen forum e.V. Gelsenkirchen statt. Unterstützt wurde das Projekt zudem durch die Werner Richard - Dr. Carl Dörken Stiftung.

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Thematischer Einstieg

Am Montag, dem 6. Juli, machte sich eine Gruppe von 13 Schülerinnen und Schülern sowie den beiden Lehrkräften des btgs Laura Becker und Michael Wulf und die Honorarkraft des aktuellen forums Lea Coenders mit dem Zug auf den Weg nach Hennigsdorf bei Berlin. Nach entspannter Anreise begann das Programm mit einem kurzen Workshop. Dabei setzten sich die Teilnehmenden mit ihren bisherigen persönlichen Erfahrungen und dem eigenen Vorwissen zur NS-Zeit und den Konzentrationslagern auseinander.

Anschließend führte eine erste Wanderung zu dem ehemaligen Außenlager Meissnershof des Konzentrationslagers Sachsenhausen, das sich in der Nähe der Unterkunft befindet. Die Wanderung wurde genutzt, um sich thematisch anzunähern und sich bereits mit der Geschichte des KZs und seinen Außenlagern zu beschäftigen. 

Die Verwaltung des Terrors

Am zweiten Tag begann dann der eigentliche Besuch der Gedenkstätte und Museum Sachsenhausen. Mit fachlicher Begleitung durch Tilo Herrmann von der Gedenkstätte, erfolgte zunächst eine Einführung in die Geschichte des Konzentrationslagers.

Ein besonderer Schwerpunkt lag auf der sogenannten Inspektion der Konzentrationslager, kurz IKL. Von Sachsenhausen aus wurde die zentrale Verwaltung des nationalsozialistischen Konzentrationslagersystems organisiert. Historische Dokumente verdeutlichten, wie systematisch und planmäßig der Terror der SS in den Konzentrationslagern organisiert wurde. Besonders eindrücklich war die Erkenntnis, dass die Verbrechen durch bürokratische Abläufe und eine scheinbar sachliche Verwaltung verschleiert und als Verwaltungsroutine dargestellt wurden.

Erschreckend war auch die unmittelbare Nähe des Konzentrationslagers zur Stadt Oranienburg. Das Lager war keineswegs vollständig von seiner Umgebung abgeschottet. Durch Zwangsarbeit und weitere Verbindungen war es auf vielfältige Weise in den Alltag der Region eingebunden.

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Biografien ehemaliger Häftlinge

Am dritten Tag arbeiteten die Teilnehmenden an Biografien ehemaliger Häftlinge des Konzentrationslagers. Dabei lag der Fokus sowohl auf dem Leben vor dem KZ und den Gründen für die Inhaftierung, der Zeit der Internierung und dem Leben danach. Dabei untersuchten sie die Haftbedingungen, die Behandlung durch die SS sowie besondere Erfahrungen im Lageralltag. Auf diese Weise wurden aus anonymen Opferzahlen individuelle Lebensgeschichten von Menschen mit persönlichen Erfahrungen, Hoffnungen und Schicksalen.

Im weiteren Verlauf des Tages stand die Besichtigung der sogenannten „Station Z“ an. Unter dieser zynischen Bezeichnung fasste die SS den Bereich mit dem Krematorium und den Anlagen zur Ermordung von Häftlingen zusammen.

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Das Klinkerwerk und der Hafen am Oder-Havel-Kanal

Am vierten Tag besuchten die Teilnehmenden das ehemalige Klinkerwerk außerhalb des Stammlagers. Dort mussten Häftlinge unter unmenschlichen Bedingungen schwere Zwangsarbeit leisten. Viele von ihnen überlebten die Arbeit, die Misshandlungen und die katastrophalen Lebensbedingungen nicht.

Ein weiterer Programmpunkt war die Gedenkstätte am Klinkerhafen des Oder-Havel-Kanals. An diesem Ort wurde ein Teil der Asche der ermordeten und im Krematorium verbrannten KZ-Häftlingen ins Wasser geschüttet, um die Gräueltaten zu vertuschen. Der stille Erinnerungsort und die dortige Gedenktafel hinterließen bei der Gruppe einen besonders emotionalen Eindruck.

Erinnerungsorte in Berlin

Der letzte Tag führte die Gruppe zu weiteren zentralen Erinnerungsorten in Berlin. Zunächst besuchten die Teilnehmenden das Denkmal für die ermordeten Juden Europas. Dieses wurde gezielt im Kontext der Erfahrungen aus dem KZ Sachsenhausen wahrgenommen. Dabei wurde ein Vergleich dieses Gedenkortes zu den Gedenktafeln verschiedener Nationen für die Opfer des nationalsozialistischen Terrors in Sachsenhausen gezogen. Anschließend erkundeten sie das Dokumentationszentrum Topographie des Terrors.

Die dortigen Ausstellungen halfen dabei, die in Sachsenhausen gewonnenen Erkenntnisse in einen größeren historischen Zusammenhang einzuordnen. Besonders deutlich wurde, wie systematisch und mit welcher Geschwindigkeit die Nationalsozialisten nach der Machtübernahme die demokratischen Strukturen der Weimarer Republik zerstörten und ihre menschenverachtende Ideologie in staatliche Strukturen und gesellschaftliche Wirklichkeit überführten.

In einer abschließenden Feedbackrunde tauschten sich die Teilnehmenden über die Fahrt, die besuchten Orte und ihre persönlichen Eindrücke aus. Auch wurden Lehren aus der Vergangenheit für unser heutiges Handeln gezogen.

Fazit

Die Gedenkstättenfahrt bot den Teilnehmenden die Möglichkeit, sich intensiv mit der Geschichte des Konzentrationslagers Sachsenhausen und dem nationalsozialistischen Terror auseinanderzusetzen. Durch die Arbeit mit individuellen Biografien, den Besuch historischer Orte und die gemeinsamen Gespräche wurde Geschichte nicht nur vermittelt, sondern persönlich erfahrbar gemacht. Insbesondere die Besuche der historischen Orte und die intensive Auseinandersetzung mit den dort vermittelten Inhalten fanden bei den Schülerinnen und Schülern großen Zuspruch, sodass sie sich in der abschließenden Rückmeldung trotz der Schwere des Themas sehr begeistert von der Gedenkstättenfahrt zeigten.

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Unser besonderer Dank gilt Benedikt Schmitt vom aktuellen forum e. V. für die hervorragende Organisation der Gedenkstättenfahrt, Lea Coenders für die ausgezeichnete inhaltliche Begleitung und Betreuung der Gruppe, Tilo Herrmann von der Gedenkstätte und dem Museum Sachsenhausen für die fachkundige, eindrucksvolle und sensible Vermittlung der schwierigen Inhalte sowie der Werner Richard – Dr. Carl Dörken Stiftung für die Unterstützung der Fahrt.

 

Laura Becker und Michael Wulf